In der Zwischenzeit

Das beste an einem Plan zum Beispiel ist die Zeit, nachdem man ihn gefaßt hat und die Ausführung grade erst begonnen. Wenn man sich eine erste Zigarette, eine kleine Pause oder eine Mahlzeit zwischendurch gönnt.

Am Schlimmsten ist die Zeit, bevor man zum Ende kommen muß, weil es ja irgendwann einmal zuende sein muß, der Plan verwirklicht, das Projekt abgeschlossen und die Doktorarbeit geschrieben, die Zeit, in der die Vermutung nicht mehr zu halten ist, daß es jemals gut werden könnte, daß es nicht von allem Anfang an verhunzt ist, das schöne Werk, daß es gelingen könnte. Wenn die Zeit nicht mehr reicht, um das Ruder herumzureissen, in welche Richtung auch?, um noch was draus zu machen, die Inszenierung ganz anders aufzuziehen, die Zeit, in der man den Löffel, die schwarze Essensmarke, die Verantwortung, die Macht abgeben muß, wenn das stolze Schiff halbfertig verfrüht vom Stapel laufen muß ohne Kiel, Korken und Sekt, und dann untergeht mit Mann und Maus, aber nichtdoch. Schwimmt doch, geht doch.

Das schönste am Verreisen beispielsweise ist, wenn der Zug grade angerollt ist, in den man es mit Sack und Pack so grade eben noch geschafft hat, wenn man dann seine kalten Frikadellen auspacken kann. Alles geschafft, es hat alles geklappt, gleich mache ich ein Nickerchen. Draussen überland scheint die Sonne oder es regnet, es ist schön, man fährt hindurch. Wenn der Steigflug grade beendet ist, ist es am schönsten, wenn die Erfrischungen verteilt sind, ein Schläfchen lange vor dem Sinkflug in die Suppe, in der das Reiseziel sein soll.

Wir sehen so gerne, wie es kam, daß die Leiche da liegt. Es muß einen Grund geben und den gibt es auch. Die Gewalt ist nie sinnlos. Aber auch wenn es einfach ganz zwanglos in entspannter Atmosphäre ganz von selbst zuende ginge – auch daran wär doch immer einer schuld. Gewalt sehen wir nur, um uns daran zu gewöhnen, daß es oft ganz schrecklich wird, wenn es zu Ende geht. Damit wir keine Angst haben und wissen was kommen kann, es ist denen in Film und Fernsehen schon passiert. Dauernd sterben welche, alle sterben, aber wir werden nicht dafür belangt und uns passiert nichts, obwohl alle so gut wie tot sind, nichtmal Schnupfen kriegen wir.

Am besten ist die Zeit kurz vor dem Einschlafen, wenn die Stimmen aus dem Fernsehen so entfernt klingen und die Sätze aus dem Buch sich selber weitererzählen. Ich möchte wissen, was der Nachbar macht, daß diese Geräusche sich so anhören. Was redet der oder sind das die Radiofrequenzen, die das Gebäude, das zwischen uns steht, übriggelassen hat, die Waschmaschine, der Kühlschrank? Unter mir brummen die Elektromotoren und wummert die Rangierlok.

Am schönsten ist morgens das ganz kurze Aufwachen vom ersten Flugzeug und Wiedereinschlafen mit den Triebwerken über mir. Die beruhigen wie das Rauschen der Autos auf den Straßen vorn und hinten. Zwischen allen Verkehrsmitteln, zwischen den Frequenzen vom Sol zum Gel und wieder zurück, so bin ich entstanden und wabere vom Schlaf zum Halbschlaf zum Fenster. Hinein dringen unterschiedliche Moleküle, zum Beispiel das nasse Gras und das destillierte Harz, das Linoleum und die Gummimatten mit den Lederecken oder umgekehrt. Die Vögel machen Krach und ich bin wach.
Jetzt im Frühling, wo es schnell wieder immer länger hell wird, bricht die Nacht ganz unvermittelt an. Direkt nach dem Kaffee. An meinem Bett brennt die kühle Tageslichtleuchte. Seit ich erwachsen bin, kann ich nur noch bei Licht schlafen.

Wenn sie aus ihren Gräbern gekrochen kommen, dann kennen wir das schon. Früher hats uns gegruselt. Sie befanden sich zwischen Leben und Tod. Heute wissen wir: da befinden wir uns auch.
Commander Koenig - 20. Apr, 18:40

Nicht der Himmel bezahlt Sie, lieber James, und auch nicht die Hölle. Doch Ihr tröstlich' Wort ist Ambrosia, in Gold nicht aufzuwiegen. Danke.
Nichts könnte besser einstimmen auf das, was da kommen mag. Unvermeidlich. Durch dieses Medium.
Doch Geduld, Bildbeschwörung ist keine exakte Wissenschaft. Inzwischen gehen Sie bitte NICHT in das Licht, sondern ertragen Sie das Inzwischen.

abdillahpgo - 8. Jun, 12:22

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